Im September 2025 habe ich eine weitere wunderschöne kleine Schlucht auf Kreta entdeckt: die Myli-Schlucht, auch bekannt als das Tal der Mühlen. Dieses Mal war ich nicht mit meiner Familie unterwegs, sondern mit meinem Freund Sakis, der bei uns im Dorf Panormo wohnt und inzwischen ein sehr guter Freund geworden ist.
Sakis ließ sich überreden mit mir wandern zu gehen:). Und das Schöne an dieser Tour: Sie lag fast direkt vor unserer Haustür. Von Suite Leon in Panormo aus waren es nur knapp 25 Kilometer Richtung Rethymno. Für kretische Verhältnisse ist das also wirklich ein Ausflug, den man ganz entspannt am Vormittag machen kann.
Kein großer Plan, kein langer Wandertag, keine komplizierte Organisation. Einfach losfahren, ein bisschen Natur, gute Gespräche und schauen, was der Weg an diesem Tag für uns bereithält.
Start: Suite Leon in Panormo
Fahrtzeit: ca. 25 Kilometer Richtung Rethymno
Ziel: Myli-Schlucht / Tal der Mühlen
Dauer: ca. 2,5 Stunden mit Pausen
Schwierigkeit: leicht bis mittel
Geeignet für Kinder: ja, mit festen Schuhen
Eintritt: kostenlos
Highlight: alte Wassermühlen, Bachlauf und Taverne im Grünen
Beste Zeit: Frühling, Herbst oder ein nicht zu heißer Vormittag
Wir sind morgens in Panormo losgefahren und kamen gegen 10:00 – 10:30 an der Schlucht an. Die Myli Schlucht liegt in der Nähe von Rethymno und ist deutlich kleiner und einfacher zu erreichen als die großen bekannten Schluchten Kretas. Genau das macht sie aber besonders charmant.
Die Schlucht ist eher eine Wanderung für Menschen, die Kreta abseits der Strände erleben möchten: grün, ruhig, schattig, mit Wasser, alten Mauern und kleinen Überraschungen am Wegesrand!!
Wir kamen von der Talseite in die Schlucht. Eigentlich empfohlen von der oberen Bergseite zu starten und abwärts zu gehen, haben wir uns nicht dran gehalten;).
Zu Beginn gingen wir durch einen schönen, schattigen Bereich mit viel Grün. Das war im September besonders angenehm, denn auch wenn die großen Sommerhitze-Tage langsam vorbei sind, kann es auf Kreta immer noch warm sein.
Der Weg führte uns durch den Wald & vorbei an einem kleinen Bach und immer tiefer hinein in diese besondere Atmosphäre der Schlucht. Die Myli-Schlucht wirkt ganz anders als die Samaria- oder Imbros-Schlucht. Sie ist nicht so gewaltig, nicht so ganz dramatisch und auch nicht so karg, hier ist was los! Sie ist viel grüner, kleiner, stiller und irgendwie „verwunschener“.
Man hört Wasser, sieht alte Mauern zwischen den Pflanzen, läuft über schmale Wege und hat immer wieder das Gefühl, dass hier früher einmal richtig Leben war.
Der Name Myli bedeutet „Mühlen“, und genau darum geht es in dieser Schlucht. Früher standen hier zahlreiche Wassermühlen die durch das Wasser des Baches betrieben wurden. Heute sieht man noch viele Überreste dieser alten Mühlen, Mauern, Kanäle und Gebäude. Einige Stellen wurden restauriert, andere sind halb von der Natur zurückerobert worden.
Das macht die Wanderung sehr abwechslungsreich. Man läuft nicht einfach nur durch eine Schlucht, sondern durch ein Stück kretischer Geschichte! Überall entdeckt man kleine Details: alte Steine, Wasserläufe, verlassene Gebäude, verwachsene Wege und immer wieder schöne Fotomotive die wir beide genutzt haben.
Die Myli Schlucht ist keine Schlucht, die einen mit ihrer Größe erschlägt. Sie überzeugt eher leise… mit Atmosphäre, Schatten, Wasser und dem Gefühl, durch ein vergessenes Tal zu gehen.
Natürlich wäre es kein richtiger Ausflug auf Kreta, wenn uns nicht auch Katzen begegnet wären. In der Myli-Schlucht haben wir gleich mehrere getroffen, darunter eine besonders schöne schwarze Katze, die uns sogar zweimal über den Weg lief. Solche kleinen Begegnungen gehören für mich auf Kreta einfach dazu und machen eine Wanderung noch persönlicher.
Gegen Ende unserer Tour, zumindest wenn man von der Talseite startet, erreichten wir eine kleine Taverne mitten im Grünen. Sie liegt direkt an der Strecke und ist wunderbar in die Natur eingebettet. Besonders charmant fanden wir, dass das Essen über eine Seilwinde von der Straße hinuntertransportiert wird. Die Auswahl war nicht riesig, aber völlig ausreichend: ein paar einfache Gerichte, eine Erfrischung, ein Bier, vielleicht ein Raki, etwas Schatten und das gute Gefühl, gerade einen richtig schönen Vormittag auf Kreta erlebt zu haben.
Besonders schön war für mich diese Wanderung mit Sakis zu machen. Wir kennen uns mittlerweile seit Januar 2022 aus Panormo und über die Zeit ist daraus eine echte Freundschaft geworden und die Zeit mit ihm ist einfach immer angenehm.
Wir haben inzwischen schon einiges zusammen erlebt: gemeinsame Arbeiten am Haus, Abende in Tavernen, Gespräche in Panormo oder auch Nächte in Rethymno, die erst in den frühen Morgenstunden endeten. Genau solche Menschen machen Kreta für mich besonders.
Während der Tour haben wir uns wunderbar unterhalten, sind ohne Eile gelaufen und haben immer wieder angehalten. Eine einfache Wanderung wird plötzlich zu einer Erinnerung, wenn man gute Gespräche führt, lacht, stehen bleibt und den Moment nicht hetzt. Genau so sollte sich ein Vormittag auf Kreta anfühlen.
Die Myli Schlucht ist keine große, anstrengende Tageswanderung. Sie ist eher ein kleines Natur- und Geschichtserlebnis in der Nähe von Rethymno. Genau das macht sie so empfehlenswert.
Für Gäste von Suite Leon in Panormo ist sie ein idealer Halbtagesausflug. Man fährt nicht weit, ist schnell in einer völlig anderen Landschaft und erlebt Kreta von einer ruhigen, grünen und sehr ursprünglichen Seite.
Wer alte Wassermühlen, kleine Wege, schattige Natur, Katzen und eine Taverne mitten im Grünen mag, wird die Myli Schlucht sehr wahrscheinlich lieben.
Unser Tipp: Nicht hetzen. Die Strecke ist nicht lang, aber sie lebt von den kleinen Momenten. Stehen bleiben, schauen, Fotos machen, Wasser hören, die alten Mühlen entdecken und am Ende in der Taverne einkehren. Genau dafür ist diese Wanderung perfekt.