Kreta steckt voller Überraschungen, und unser Ausflug in die Samaria-Schlucht letzes Jahr war definitiv einer der intensivsten Momente unserer Reise. Es war ein Tag voller Ehrfurcht vor der Natur, „entspannter“ Waden und der puren Erleichterung, als wir das Meer erreichten. Ein echtes Abenteuer auf eigene Faust, ohne Touri Unternehmen!
Eigentlich hatten wir alles ziemlich genau geplant, aber wie das im Urlaub eben oft ist, kommt es dann manchmal anders :). Wir haben den Morgen ganz entspannt angehen lassen, und dadurch sind wir später als gedacht Richtung Omalos-Plateau aufgebrochen.
Leider konnten meine Frau Sabrina und mein Sohn Leon wegen einer kleinen Erkrankung nicht dabei sein, und auch meine Schwester musste wegen ihrer kleinen Tochter passen. Also sind am Ende nur wir drei los: Mein älterer Bruder, die Tochter meines Bruders und ich. Wir sind gegen 13 Uhr am Eingang Xyloskalo gestartet – ein sehr später Start für eine der längsten Schluchten Europas!
Der Abstieg über die berühmten Steintreppen war erst der Anfang einer viereinhalb-stündigen Wanderung durch eine Welt aus Fels und Wasser.
Der Abstieg: Über unzählige Serpentinen ging es steil hinunter ins Herz der Samaria Schlucht. Man wandert hier durch Wälder aus uralten Zypressen, während die Gipfel des Massivs mit über 600 Metern Höhe majestätisch über einem thronen. Jeder Tritt auf den Holz-, oder Steinstufen bietet neue, spektakuläre Ausblicke in die Tiefe.
Wasserwege: Nach den steilen Passagen wanderten wir an kristallklaren Bachläufen vorbei, die selbst im Sommer eine herrliche Frische ausstrahlen. Der Weg führte uns durch grüne Täler und über kleine Holzbrücken, während der Duft von Pinien in der Luft lag und die massiven Felswände immer höher aufragten.
Natur pur: Mein Patenkind war fasziniert von der wilden Kulisse und den seltenen Kri-Kri-Ziegen an den Hängen. Besonders an der „Eisernen Pforte“, wo die Schlucht nur noch vier Meter breit ist, fühlt man sich zwischen den senkrechten Felsen winzig und bekommt eine tiefe Ehrfurcht vor der Kraft der Natur.
Da wir erst gegen Mittag am Xyloskalo-Eingang gestartet waren, wurde das Zeitfenster mit jedem Kilometer in der Schlucht knapper und knapper – und noch knapper:). Der Druck im Nacken wuchs mit jedem Meter, denn uns war klar: Die einzige Fähre in Agia Roumeli verlässt den Hafen pünktlich um 17:30 Uhr. In diesem abgeschiedenen Ort im Süden Kretas gibt es keine Alternative – wer die Fähre verpasst hat Pech gehabt oder muss ein Hotelzimmer nehmen.
Die letzten zwei Kilometer stellten uns daher auf eine echte Probe. Um sicherzugehen, dass wir noch rechtzeitig unsere Tickets am Schalter kaufen konnten, sind wir das letzte Stück bis zum Meer fast gelaufen, ich mit der Tochter meines Bruders immer Kopf-an-Kopf:). Es war ein Kampf gegen die Zeit, doch wir haben es geschafft: Um kurz vor halb sechs erreichten wir völlig außer Atem, aber glücklich, das Ziel. Absolute Punktlandung!
Eines haben wir aus diesem Tag jedoch gelernt: Beim nächsten Mal werden wir es wahrscheinlich entspannter angehen und uns direkt unten in Agia Roumeli für eine Nacht ein Hotel nehmen. Dann können wir die spektakuläre Natur der Schlucht ohne jeden Zeitdruck genießen, den Tag gemütlich am Meer ausklingen lassen & Abends noch gemütlich die griechische Küche genießen.
Auf der Fähre fiel die ganze Anspannung von uns ab. Wir gönnten uns eine kleine Erfrischung auf der Fähre und genossen den Blick auf die Küste, während uns das Schiff nach Sougia brachte. Von dort aus schloss sich der Kreis: Mit dem Bus ging es die Serpentinen wieder hinauf zum Parkplatz in Omalos, wo unser Auto wartete.
Der Tag endete mit einer zweistündigen Rückfahrt nach Panormos. Wir waren müde, die Beine waren schwer, aber wir waren erfüllt von diesem unglaublichen Erlebnis. Ein Tag, den wir als Familie und auf eigene Faust gemeistert haben und sicher nie vergessen werden.
Tipp für Nachahmer: Die Samaria-Schlucht ist auch ohne Reiseunternehmen super machbar, aber unterschätzt die Zeit nicht – besonders, wenn man die letzte Fähre erwischen muss!