Im September 2025 war ich für zwei Tage allein im Osten Kretas unterwegs. Eigentlich standen ganz andere Ziele auf meinem Plan: Sitia, Vai Beach & Itanos Beach (Was ich auch umgesetzt habe:). Die Richtis Schlucht war gar nicht vorgesehen.
Ich hatte in Sitia übernachtet – in einem kleinen, schnuckeligen Hotel, und die Stadt ein wenig erkundet. Am zweiten Tag machte ich mich gegen Vormittag wieder auf den Rückweg Richtung Suite Leon in Panormo. Es sollte eine Rückfahrt werden mit einem Stopp am Meer (Golden Beach in Agios Nikolaus) oder in einer Taverne.
Unterwegs Richtung Agios Nikolaos sah ich plötzlich ein Schild zur Richtis-Schlucht. Und genau so entstehen auf Kreta manchmal die besten und coolsten Erlebnisse: nicht lange geplant, nicht groß organisiert, sondern einfach spontan abbiegen!
Wanderschuhe und Ausrüstung hatte ich wie meistens im Kofferraum. Mittlerweile habe ich auf Kreta fast immer alles dabei, wenn ich unterwegs bin. Also fuhr ich ab, parkte, packte meine Sachen und machte mich auf den Weg.
Start: Suite Leon
Region: Osten Kretas
Ziel: Richtis Schlucht
Dauer: ca. 6 Stunden mit Pausen
Schwierigkeit: mittel
Kinder: nur mit Trittsicherheit
Eintritt: je nach Zugang möglich
Highlight: Richtis-Wasserfall
Beste Zeit: Frühling oder Herbst
Die Richtis-Schlucht hat sich für mich als eine der schönsten Schluchten herausgestellt die ich bisher auf Kreta gewandert bin. Vielleicht auch deshalb, weil das einfach total ungeplant war. Ich war „innerlich“ ja eigentlich schon auf dem Rückweg nach Panormo – und plötzlich stand ich mitten in einer der grünsten und abwechslungsreichsten Landschaften im Osten der Insel.
Anders als viele kretische Schluchten wirkt Richtis nicht trocken, karg oder steinig. Hier gibt es viel Grün, Schatten, Wasser, alte Bäume, schmale Wege, Felsen, kleine Übergänge und immer wieder Stellen, an denen man kurz überlegen muss wo genau der Weg weitergeht. Genau das macht diese Wanderung so spannend.
Die Schlucht folgt dem Bachlauf hinunter Richtung Meer. Der Weg verändert sich ständig: Mal läuft man über Erde, mal über Steine, mal durch dichte Vegetation, mal entlang des Wassers oder sogar mit Seilführung Unterstützung;).
Das bekannteste Highlight der Schlucht ist der Richtis Wasserfall. Er ist ungefähr 20 Meter hoch und liegt wunderbar eingebettet zwischen Felsen, Pflanzen und Bäumen. Gerade im Osten Kretas, wo man oft eher trockene Landschaften erwartet ist das schon schön grün:).
Es ist einer dieser Orte an denen man automatisch ruhiger wird….. Man hört das Wasser, spürt die feuchtere Luft und hat erst mal gar keine Lust weiterzugehen:).
Besonders spannend war für mich das ich dort kleine Fische im Wasser gesehen haben. Solche Details machen eine Wanderung noch besonderer, weil man merkt, wie lebendig dieser Ort ist! Zwischen Felsen, Wasser und Schatten entdeckt man immer wieder kleine Dinge/Tiere, die man auf den ersten Blick gar nicht erwartet.
Nach dem Wasserfall ging es weiter Richtung Ende der Schlucht, sie sollte am Meet enden…. Der Gedanke durch eine grüne Schlucht zu wandern und am Ende plötzlich am Wasser zu stehen hat etwas Besonderes. Man kommt aus dem Schatten, aus dem Tal, aus dieser wilden Natur heraus – und steht schließlich am Meer und einem Süßwasserbrunnen.
Unten am Strand wollte ich mir dann etwas Wasser nachfüllen und eine Pause machen. Dort traf ich einen Touristen aus Deutschland der ebenfalls alleine unterwegs war. Aus meiner eigentlich allein geplanten Wanderung wurde dadurch dann eine gemeinsame Tour zurück. Ganz ruhig war es allerdings nicht, denn er erzählte sehr viel – manchmal vielleicht sogar etwas zu viel:). Aber es hatte auch seine Vorteile: Der Rückweg fühlte sich kürzer an, wir konnten uns gegenseitig fotografieren, und so sind einige schöne Bilder entstanden, die ich allein wahrscheinlich nicht bekommen hätte.
Nach ungefähr sechs Stunden war ich wieder zurück am Auto. Die Wanderung hatte deutlich mehr Zeit gebraucht als ich am Anfang gedacht hatte. Aber genau das war eigentlich schön: Ich hatte mir Zeit gelassen, Fotos gemacht, Pausen eingelegt und die Schlucht wirklich dann auch erlebt. Danach fuhr ich weiter in Richtung Agios Nikolaos. Eigentlich wollte ich noch an den sogenannten „Goldenen Strand Voulisma“, aber inzwischen war es extrem windig. Ich war zwar kurz am Strand, entschied mich dann aber schnell für die bessere Variante: eine Taverne direkt gegenüber (Panorama Voulisma)
Nach der langen Wanderung hatte ich ordentlich Hunger und ich war genau in der richtigen Taverne dafür:). Es ein leckeres griechisches Essen, etwas Ruhe und den Moment kurz zurückzuschauen auf diesen dann doch unerwartet intensiven Tag mit der Wanderung. Von dort aus fuhr ich schließlich zurück nach Panormo. Die Rückfahrt dauerte noch mal circa 2 Stündchen. Am Abend kam ich dann nach zwei sehr schönen Tagen wieder bei Suite Leon an: Sitia, Strände im Osten, Vai Beach, Itanos Beach und als ungeplantes Highlight die Richtis Schlucht. Im Nachhinein war gerade diese spontane Wanderung vielleicht der schönste Teil des ganzen Ausflugs.
Die Richtis-Schlucht war für mich eine der schönsten Überraschungen auf Kreta überhaupt in den letzten 4 Jahren! Grün, abwechslungsreich, stellenweise abenteuerlich und mit dem Wasserfall und dem Weg bis hinunter zum Meer wirklich etwas Besonderes. Gerade weil diese Wanderung gar nicht geplant war ist sie mir besonders in Erinnerung geblieben
Von Suite Leon in Panormo aus ist die Richtis Schlucht allerdings bei Leibe kein kurzer Ausflug. Wenn man direkt hinfährt muss man mit ungefähr dreieinhalb Stunden Fahrzeit rechnen. Für mich passte es halt perfekt da ich eh im Osten der Insel unterwegs war und die Schlucht praktisch auf dem Rückweg lag. Als spontaner Zwischenstopp nach Sitia, Vai Beach oder Itanos Beach ist sie super – nur extra von Panormo aus würde ich sie eher mit einer Übernachtung oder einem längeren Ausflug in den Osten verbinden.